Johannes Bernhard

Max Wolf – Der Klang einer Sehnsucht

2018, Kartoniert / Broschiert, 208 Seiten

ISBN 978-3-00-059477-9

 

Johannes Bernhard, das bin ich. Sitze in der Reihe Acht der Komödie am Kudamm, das Stück Chuzpe mit Ulrike Folkerts und J. Bliese läuft.

Meine Frau hat den Zug aus Ham­burg versäumt. Neben mir dieser Mann, er roch nach Joop! Homme. Er lächelte mich an, auch allein, ich nickte, Zug verpasst, meine hat Fieber.

Chuzpe ein entwaffnendes Freiheitsstück lief, fühlende Lebensart mit Frechheit und Dreistigkeiten. Ja, wir lachten und hielten inne an gleichen Stellen. Dieses gemeinsame Glas Rosé in der Pause und das überspringende im Kontext fühlte sich so vertraut an. Wir gingen plaudernd über den Kudamm, im Gespräch ver­sunken erzählte ich ihm meine Geschichte von Max Wolf in Auszügen. Ich spürte seine Hand auf meinem Arm, wir sollten reden.

Seelen­steine sind die besten Bau­meister, Johannes, ja, Werner. Der Wein im Kultur­lokal in der Fasanen­straße ist total lecker. So füllte diese Geschichte unser Inneres immer weiter auf.

Mir fiel eine Last von den Schultern, Max Wolf, ich glaube, du wirst weiterleben. Warum habe ich gerade in diesem Theatersaal den Schriftsteller Werner Lüerß gefunden? … Masel tov … Wochen harter Arbeit, dieses Buch liegt nun in meinen Händen. Wir wurden Freunde.

 

Max Wolf komm zurück.

Die SMS verschwamm, Valparaíso Chile, Mast­­bruch, es flimmerte vor seinen Augen. Papa, wir sind in neun Monaten wieder da. Jahre vergingen, nur die Leere blieb.

Max Wolf, du Maler der Künste, verlierst dich. Dieses Wort, Verlierer, wurde sein Credo. Sein Leben sprang aus den Schienen, Er soff, fremd sich selbst gegenüber. Sprachlos wanderte er durch die tägliche Lebenshölle.

Diese ganze Welt zeigte sich in kleinen bun­ten Glassplittern. Gab es da noch größere, die das Licht zurückbringen können? Konnte sein Leben wieder normal werden?

Ein anderer Mensch wollte er nie sein, nur sein Leben zurück. Ich werde euch mitnehmen, wenn ihr wollt, auf seinem Weg bis zum letzen Tag seiner Erzählung.

 

 

 

LESEPROBE

 

Auf dem Nebel‑Friedhof in Altona, Königstrasse 10 A, dort sah ich ihn zum ersten Mal. Zusammengefallen lag er auf dieser Bank vor mir. Eigent­lich war da nur noch ein Schatten, und ein komischer Nebel, jene sich gegenseitig im Laternenlicht berührten. Etwas erklang aus seiner Stimme nach unendlicher Leere. Ich hörte es. Es klang nach einer Sehnsucht, die es schein­bar so nicht mehr gab.

Jetzt hörte ich Max Wolf, so sein Name, in jener Nacht des Nebels zum ersten Mal schreien  … 

Als ich diese Worte hörte, zog es mich in den Schatten der alten Eiche

zurück. Wer schweigt, kann nur zuhören. Johannes, sei still. Fades Later­nenlicht berührte mich, komisch. Feuchte Nebelschleier, führten Kälte in sich. Geräuschlos zogen sie von der Elbe landeinwärts an mir vorbei. Der jüdische Friedhof zeigte sich in seiner tristesten Farbe, wabernd grau. Ich sah dieses Nebelartige, was dort geräuschlos wanderte, feucht und kalt. »Hmm.« Komisch, dachte ich noch, unberührbar in seinem Sein zog es jetzt in einer veränderter Form an mir vorbei. Ich sah, wie es durch diese ruhende Gräberwelt zog. Auf dem Schlachtfeld der anderen Welten, die hinter uns lagen. Er, der graue Nebel, umhüllte diese Momente, zerrissene Nebelfetzen glitten auseinander. Durchwan­derten in ihren Molekülen getragen, diese unberührbaren Steine, die Zeugen der Vergänglichkeit sind.

Watteartig schob sich jenes Gedankliche in diese Erinnerungen zurück. Wer ist da an meiner Tür, will derjenige mir was sagen, soll ich der Herold, ja, der Bote der Anderen werden. Fühlte ich diesen Menschen schon, da vorn auf der Bank. Sah, wie er in sich umschlungen kauert. War er es, der dieses geisterhafte Licht schob? Wer, oder was ist es, der diese schreienden Worte klagend ruft. Der dieses aus dem Schatten der Bank zu mir herüberschallen lässt.

Ist er auf dem Weg der Vergessenen? Diese Schatten könnten es wo­möglich sein, die er begleitet. Sieht er unterwegs vielleicht den staubigen Weg? Den der aufgebrochenen Leiber? Vielleicht schaut er in dieser Sekunde auf ihre Füße, die an den Zehen dieses Schild tragen. Pathologie – Müller Heino – 58. Asbestose. Pleuramesotheliom. Wohin willst du, warum schüttelt dich dein Inneres. Max? Du unbekannter Mensch. Ich sah, wie er zitterte. Widersetzte er sich dem anderen Ufer. Den verlorenen Seelen zu folgen? Riskant … Der graue Schleier verzog sich, der Wind frischte auf. Punktum! »Nebel los, spektakulär.« Wie der Schleier, der dich packt. In jener Sekunde war der Schatten weg. Jetzt sah ich ihn vor mir in einer anderen Ebene. Vor mir sah ich den Menschen auf der Bank sitzen. Ja, würdelos und allein. Wie seine Hände sich vor seinem Gesicht ausbreiteten. Ja, sie erfühlten sein Gesicht, fragten sie möglicherweise? Ich spüre dich nicht mehr, Max. Wo bist du, wo ist deine Seele, Bruder. Diese Gestik morsender Finger­spitzen vernahm ich nur aus dem verborgenen Raum des Baumes. Was vor mir lag, kannte ich nicht, woher auch. Komisch, dachte ich! Wie er diese Stille in sich trägt. Und dann dieses Andere, komisch, wie es verrissene Worte zu mir trägt. Wie ein kreischender Fels­abriss! Der sich diesem tiefen Grollen aus seiner Kehle anschloss. Ich zitterte vor diesem urplötzlichen Schrei. So habe ich, Johannes Bernhard, menschliche Laute noch nie vernommen.

Ja, der Mensch vor mir, der diese, seine ganze Inbrunst, in wenige Worte legte. Genial, so habe ich es noch nie gehört. Nicht mal in der heiligen Messe. In nomine Patris et Filii, et Spiritus Sancti Amen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Introibo ad Altare Dei. Du sollst auch nicht auf Stufen zu meinem Altar steigen, dass nicht deine Blöße aufgedeckt werde vor ihm.

Gott Vater. Judica Me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta: »ab homine Asbestos iniquo doloso erue me.«

Schaff Recht mir, Gott, und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk: vom frevelhaften Asbestose und vor falschen Menschen rette mich. Ich will leben. Dominus vobiscum. … Schweige nicht Bruder  … 

Da konnte ich nicht mehr ruhig bleiben im Schatten der riesigen Eiche. Die ich in diesem Moment fest umklammerte. Ein Seelensturm wollte mich vertreiben. Ja, als würden mich diese Worte diametral hinwegtragen. Und dieses Schicksal des Anderen packte mich, fesselte mich. Schoben mich meine Gedanken zu ihm hin? Nur zusehen konnte ich nun nicht mehr. Und dass ich nicht so einfach implementieren kann, lag auf der Hand. Dieser Wandel von abstraktem Bild, seinem Wesen geschuldet. Nun sah ich ihn auf dieser konkreten Lebens‑Schiene wandern. Ich spürte seine Augen, die mich suchten. Suchten sie mich wirklich in dieser Nacht? Waren seine Sinne so brillant geschärft, dass sie in einer anderen Ebene unterwegs waren als meine? Ist er Buddhist? Sucht er jetzt schon seine Reinkarnation? Zu früh, Johannes Bernhard, das ist nicht dein Weg, geh nach Hause. Er rief mich, komm zurück. Wer bist du im Schatten des Baumes, wer verkriecht sich dahinter. Warum kann ich dich nicht sehen, Fremder. Ja, wir vernetzten uns, unglaublich. Echter Wahnsinn, wir wurden Freunde in dieser Nacht.

Ihr glaubt mir nicht. Stopp, denkt mal zurück, gab es nicht etwas, was euch gefesselt hat? Dieses Gespräch, was dich so mitnahm! Dass daraus neue Lebenswege entstanden sind. Ja, genau diese Wege ging ich jetzt! Dieses Permanente, was zwischen unseren Köpfen hin und her wanderte, konnte einen Fremden irritieren, ohne Zweifel. Uns nicht mehr. Ich schaute in sein offenes, zugleich von Traurigkeit gezeichnetes Gesicht. Diese fragenden, offenen Augen suchten in mir nach einer neuen Verbindung. Verstehe kein Wort, was will er von mir, verdammt, was will er mir sagen. Unsere geistigen USB‑Stick’s waren auf Input frisiert. Wir haben in jener ersten Nacht noch viel geredet. Akten und Gutachten in den anderen Tagen und Wochen danach gewälzt. In den langen Nächten des Suchens wurden wir fündig. Nun ja verdammt. Wir sind dem kausalen Weg dann nur noch einfach gefolgt. Fanden es heraus, was diesen anderen Menschen an unserem Leben egal ist.

Alles? Ach ja, unser Leben wirklich, ja, es stimmt. Nur die Gewinn‑Opti­mierung steht auf der schwarzen Tafel in Kreide geschrieben. In riesigen Buchstaben zieht die Tatenlosigkeit an uns vorbei. Die kannten das Spiel des Todes seit 1871, also schon lange. Wir wurden an Nasenringen über die Baustellen unseres Lebens zum Schafott gezogen.

Dich durchdringen diese Burschen, Asbestos, Chrysotil, du fahrerflüchtiges Miststück. Ja, sie vernetzten sich in unseren Körpern.

Dieser eine Satz, zwei Wörter umfassend: »Faser Jahre,« schreckte mich auf ! Ich und mein Freund Max, wir zusammen, suchten nach den Anfängen, die lagen weit in der Vergangenheit! Die unsere Erkrankung bis zum Tod verwalten. Sie haben es früh begriffen, dass Asbest für uns Menschen todbringend ist. Wenn ich so in den Laboratorien unterwegs bin, und jetzt stehe ich im Jahr des Herrn 1871 neben dem Professor Dr. Weiterso, der dieses Fatale erkannt hat.

Als diese medizinischen Erkenntnisse veröffentlicht wurden, klammerte die Unfallversicherung so um das Jahr 1883 berufsbedingte Erkran­kung durch Asbestose ganz aus. Ist doch klar, der Mensch, wir also, waren nicht mehr als eine Stellschraube für diese Monarchisten. Die uns Hurraschreiend, in den Giftgastod trieben. In den USA wurden Versicherungen stutzig, dass bei ihnen so viele, zu viele Menschen erkrankten. Sie beauftragten 1918 einen Gutachter, dieser Sache auf den Grund zu gehen. Riese Asbest, seine Akten verschwanden in den Tresoren des Schweigens  … Ich denke gerade an Doktor Montague Murray 1936 aus England. Der machte darauf aufmerksam, wie brutal sich Asbest auf unser Leben auswirkt. Aber es änderte sich kaum etwas. Nicht die Berufsgenossenschaften oder geschweige die Politik machte sich daran, den todbringenden Asbestfasern den Kampf anzusagen, um uns zu schützen.

Nein! Nur die privaten Versicherungsgesellschaften zogen daraus Konsequen­zen. 1918 die Prudential Industries aus New York. Der Versicherungsträger weigerte sich fortan, amerikanischen Asbestarbeitern Lebensversicherungen zu verkaufen. Denn sie wußten genau, was sie tun. Die sind doch damals nicht blöder gewesen als heute. Ich wette doch nicht auf ein sterbendes Menschenpferd. Erst im Jahr 1936 wurde die Erkrankung Asbestose als Berufserkrankung anerkannt. Dann kam der Krieg. Ich weiß, Johannes, die brauchten das Zeug, um Ihre Spielzeuge feuerfest zu machen. 1943 schwere Asbestose in Verbindung mit Lungenkrebs. Hurra! Die Bundesrepublik Deutschland ist geboren. Das Grundgesetz wurde auf den Weg gebracht  … Menschenwürde, aber was machten sie. … nichts! Ihre Asbest‑Ketten wanderten unaufhörlich weiter. Die sich dann ungehindert in unseren Lungen ausbreiteten. Diese Menschen legten uns in die Lebensschleife. Immer auf Abruf bereit zu gehen. Jetzt begannen die Jahre, wo Menschen in der neuen Bundes­republik Deutschland geopfert wurden. Denn sie wussten, was sie tun! Ich denke an unser tolles Grundgesetz. Artikel Eins und Zwei, den Feind in uns, unseren Asbestos, den Henker der Arbeiter, kannte man schon lange. Aber er konnte sich ungehindert ausbreiten. Wie der Honigpilz, der unterirdisch, großflächig, still und heimlich alles umstehende Leben ver­nichtet. Wie in Nazi‑Deutschland bis 1945. Und auch in der Bundesrepublik Deutschland. Echt auch hier konnten Asbestos und Chrysotil jene Opfer leicht finden. Auf den Baustellen in diesen riesigen Wolken, arbeiteten diese Menschen, 400‑500 Millionen Fasern pro Kubikmeter in einer Stunde. Hier standen die Handwerker. Neue Technik, der Trenn‑Schleifer hielt Einzug auf den Baustellen der Republik. Dieser Asbeststaub, jetzt fein gemahlen, als grauer Nebel sichtbar.

Er trug den Tod zu ihnen hinüber. Still sah er seine Opfer zu tausenden krepieren, wie sie elendig, nach Luft ringend und Blut spuckend, zugrunde gingen. Und immer noch gehen. Diese Staub‑Masken, völlig sinnloses Unterfangen. Es gaukelte uns nur diese Sicherheit vor. Diese Sätze auf Papier geschrieben, machten uns fassungslos. Wenn man heute dagegen den Asbestrückbau sieht, Voll‑Körper‑Schutz mit Sauerstoffversorgung. Fukushima 11. März 2011. Max, die haben da auch lange geschwiegen und abgewiegelt. Bis heute, Max, wird da getrickst und gelogen. Wie auch hier bei uns, werden die Krankenakten, auf das Lebensförderband gestellt, die biologische Weltzeituhr tickt nicht für uns, Johannes. Ich lese es aus einem Schreiben einer betroffenen Frau heraus. Warten und Teetrinken, eine gute Wahl für die Anderen. 1976 machte ein neuer Bruder Asbestos sich auf den Weg, Mesotheliom raff te die Menschen darnieder. 1988 war kein gutes Jahr, neue Erkrankungen machten sich auf dem Weg.

18. Dezember 1992, jetzt kommt das Ungeheuerliche. Sie zählen immer noch nach Faserjahren.

Sie wissen genau, dass eine Faser tödlich sein kann … Das Kartell wird mächtiger, 31. Oktober 1997. Kehlkopfkrebs und alle anderen sumerischen Eigen­schaften prasseln wie Walnüsse zu Boden. Dieses Gift der Familie Asbest & Chrysotil breitet sich weiter aus. 2015 bis 2025, diese Jahre werden viele Menschen noch spüren. Hörte ich seine Worte, haha. Ich las viele Berichte. Den Ersten aus dem Jahr 1871 … 1883 … 1918 … 1936 … 1988 … bis 2009 … Ja, noch viel mehr sollten folgen. Unbe­greiflich, wie die Angehörigen behandelt wurden.

Sehe vor mir unseren Präsidenten Joachim Gauck, wie er am 6. Dezem­ber 2013 zu uns spricht, in seiner Präambel‑Matinee. Artikel Eins: Die Würde des Menschen ist unantastbar. »Sie zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.« Artikel Zwei: Freiheit auf Grundrechte. »Auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.« Auf Leben. »Ja, auf körperliche Unversehrtheit.« Und schützt die Freiheit der Person. Unsere Würde als Arbeitnehmer. Der arbeitende Mensch wurde … und wird immer noch mit Füßen getreten.

Max, wohin willst du noch mit mir? Komm Johannes, ich zeige dir den jungen Dachdecker aus Hessen. Wir sahen das Video, er stand in einer riesigen Asbeststaubwolke. Wo willst du hin, Johannes, bleib, rief Max, nein, das ist zu viel für mich. Ach hab dich nicht so. Schau da, siehst du es, wie sie wandern. Ihre Schatten, komm folge ihnen, ja, schau sie dir gut an. Diese Menschenwesen, welcher Enthusiasmus in den Fällen liegt, sie bearbeiten, zucken nicht einmal. Schau sie dir genau an Johannes. Es sind Lebewesen wie du. Wie die Menschen in einer Bank, Geld ist auch nur Papier. He, das sind doch nur 400‑500 Millionen Fasern pro Kubikmeter pro Stunde, höre wiederkehrend dieses Unfassbare. Haha, und die da, in den Tarnkappen hinter den Fenstern, die Berichte und Gutachten schreiben. Wir schliefen beide am Tisch ein.

Die zählen immer noch die Faserjahre, dieses schlief mit mir ein! … 

Diesen Satz konnte ich nie wieder vergessen. … 

Johannes, ich höre diese Worte, irgendwie aus einer anderen Ferne. Ich sah Max vor mir im Schlaf. Seine Silben wanderten an mir vorbei, wirklich. Ist er in Trance, ich spüre es, Hitze und Willkür. Sehe ihn, wie er vor mir aus dem rot orangenen Nebel tanzt. Schau hin, in diesen Raum da, Johannes, siehst du sie wie ich? Die Lady in Rot, ja schau doch hin. Wie sie über den polierten Parkettboden Blues tanzt. Sie schiebt sich, fast schwerelos vor uns durch den Raum. In der rechten erhobenen Hand das tanzende Tablett, es funkelt silbern. Ihre andere Hand schnippst sich in den Blues ein. Ihr Kopf und Hals takten sich ein. Sonderbare Bewegungen brachten die Frau, in diesem unwirklichen Zeitraffer, zum Schwingen. Geil gemacht, die hat es drauf. Ich sehe sie durch den Raum auf mich zu tanzen. Ich wich zurück. Es half nichts, sie schob sich durch mich hindurch. Meine Seele war dabei. Aus dem Nebenraum, dieses andere Rhythmische. Der Schall schob den härteren Song rüber. Sehe den Mann in Grau vor einem riesigen Schreibtisch sitzen. Seine Hände tanzten den gleichen Song … Das Silberne lag nun auf dem Mahagonitisch. Schön, da bist du ja, hörte ich diese tiefe Stimme. Er stand auf, sein Anzug, dunkelblauer Zweireiher, Maßschneider Hamburg Eppendorf, dieser rote Faden, unverkennbar. Er nahm die Dame an die Hand, sie lag in seinen Armen. Ein Schauer drückte meinen Rücken krumm, Scheiße das da bin ja ich … Das ist doch mein Einspruch, gegen die Ablehnung der BK. Frau Meyer, ja Herr Geigenhals. Es ist angerichtet. Was haben wir denn da? Der Blues schob sich in den Schlussakkord. Max Wolf! Du schon wieder!

Dieses Blatt konnte ich sehen, mit dem blauen Siegel. Dieser riesige Stempel, mit dem Vordruck »Abgelehnt«, knallte aufs Dokument … Dieses helle Lachen der beiden Tanzenden, umschmeichelten im Schritt ihre Körper. Otto, ich könnte kotzen. Er geht mir auf den Keks, hörte ich die Stimmbänder rufen, im Inneren meiner Gefühlswelt brach ein Schmerz den Damm auf. Etwas Heftiges berührte mich, ich lag am Boden. Dieser Scheiß‑Stuhl brach doch tatsächlich unter mir zusammen und ich war wieder an der gleichen Stelle wie vorher auch, es verrückte sich nichts, diese Wand der Arroganz, kalt und doch schwammig in seiner Ansicht.

Max, wo bin ich? Bei mir Johannes, nur bei mir, aha.

Ich schaute mich irritiert um, ich suchte mich selber noch. Dieses Mosaikhafte, es setzt sich kontinuierlich zusammen. Ich dachte noch, über was sollte ich denn eigentlich schreiben. Seine Seele berührten meine unausgesprochenen Worte. Er kennt mich, scheinbar schon lange.

Schreib über mich, meinen Segen hast du … Nur eins solltest du mir versprechen! Johannes, bleib bei mir bis zum Schluss.

Ich bin Johannes Bernhard, verlass dich auf mich, Bruder, nickte mei­nem Gegenüber meine Zustimmung in sein Gesicht, Max, ja, ich werde bleiben. »Ohne zu säumen! Ich habe mein Versprechen gehalten!« Diese Momente in mir, es brachte nicht nur den Hass nach oben.

Diese Wut, meine Feder wollte den Text nicht mehr schreiben.