Werner Lüerß

Was mir der Lebensbaum Konrad erzählte

2016, Kartoniert / Broschiert, 224 Seiten

ISBN 978-3-943583-72-4

 

Ich bin Konrad und möchte euch mitnehmen auf meine Reise. Eure Frage vielleicht: Was kann denn ein Baum schon so erleben?

 Ich war auch eine lustige junge Buche, um diese Welt zu erleben, das Älterwerden ist so ähnlich, wie bei euch Menschen - mir tut es hier und da weh, es fallen mir Äste ab - bei euch die Haare. Aber dieses warme Sonnenlicht zu spüren und euch vor mir am Bach zu sehen, euer Lachen zu hören - ja, das gefällt mir. Und am Ufer diese Lebensvielfalt zu erleben - einfach toll!

Meine Freunde und ich spürten in den Jahren oft den Regen, der aus euren Menschenaugen lief, verängstigte Kinderseelen. Ja, ich sah euch oft vor mir, wenn eure kleinen Hände meine tiefen Rillen in meiner Rinde berührten. Ich bin Stolz, in diesen Momenten für euch da zu sein. Wie ihr Menschen haben auch wir viele Freunde in der Natur. Aber unsere Welt unter der Erde ist enger vernetzt als ihr glaubt.

Ich spüre meine Freunde, wir geben uns gegenseitig Kraft, schützen uns vor Feinden. Wir sind hier im Wald nur in der Gemeinschaft stark. Ihr werdet sehen, ich habe jede Menge Freunde, die ihr in diesem Buch kennenlernen werdet!

 

 

 

LESEPROBE

 

Schaut euch mal um, seht ihr es. Ist das noch unsere Welt auf der wir leben möchten. Es verändert sich alles zu schnell.

Menschen bringen unsere Erde jetzt aus dem Gleichgewicht. Warum, ja das frage ich mich selbst oft. Ist es nicht zum Verzweifeln, wenn am Amazonas Landschaften verschwinden. Diese Ureinwohner lebten abgeschieden Tausende Jahre in Freiheit. Vor Ihnen das ausgemergelte Land, diese Menschen verschwinden. Wie in Patagonien, dort verschwand auch diese alte Kultur. Menschen aus Europa vernichteten dieses andere Leben, unwiderruflich! Erheben sich Kulturen zum Herrscher der Welt. Wer das anzweifelt, schau dich um, freie Wirklichkeit gibt es nicht. Inselwelten sind schnell gerodet und diese sind danach unbewohnbar. Tiere die Millionen Jahre dort lebten verschwinden, für immer. Australien ist ein gutes Beispiel, Menschen kommen, Tiere verschwanden. Genau, weil wir, als Mensch uns über die Natur stellen. Wir vergöttern jetzt kleine blinkende Teile in unseren Händen. Tragen Computer an den Armen. Lassen uns wie im betreuten Wohnen, schon in der Jugend den Tagestakt vorgeben. Vieles geht verloren, bald auch unsere Kreativität?

Egoistisch das Wort, das uns noch prägen wird in naher Zukunft. Kinder verlieren den Kontakt zur Wirklichkeit, verhätschelt und behütet, verlieren Sie das normale, diese ich Generation, werden viel verlieren. Das Leben in all seiner Kraft geht verloren. Mitgefühl gegenüber anderen, die krank und schwach sind, Ist dieser Menschengattung egal! Ich, nur ich bin wichtig. Wichtiger als alle Gefühle, die mich umgeben. Haha. Sie schweben Mobil getragen von einem Netz ins andere, vernetzen sich unweigerlich in dieses Universum von 1 und 0 permanente Datenspirale. Sie fühlen sich wie in einen Kokon einwickelt. Es wird zu einer Sucht, aufbrausend wie ein Sturm allen und jeden, die sekündliche Gefühlswelt die einen betrifft, immer und überall zu teilen. Welt im Taumel, sollten wir nicht das bewahren, was wir haben. Dass als Treuhändler beschützen für unsere Nachkommen.

I’wo denkst‘e wer will das schon.

Diese Herrscher (Menschen) werden auch den Zyklus unterliegen, sie verschwinden.

Aber der Schlag kommt jetzt schon zurück, die Meere beginnen zu steigen, Umweltkatastrophen werden schon jetzt apokalyptisch, wie auf den Philippinen vor nicht langer Zeit. Grönland das Eis schmilzt immer schneller unaufhaltsam. Die Sanduhr tickt gegen uns. Städte versinken schon jetzt. In Amerika - China - Singapur - Tokio.

Google ist auch für euch eine Hilfe, überprüft es mal, ihr werdet es sehen, dass ich recht habe. Diese Gier der Menschen nach mehr, alles zu wollen.

Die Zerstörung muss halt so sein, so ist das Leben. Leben wir nur noch dafür?

Sind nicht viele von uns zum Werkzeug der Mächtigen geworden, die uns dieses machen lassen. Afrika versinkt an den Flüssen in Ölschlamm.

Was wird aus unseren Kindern einmal werden? Hört denn keiner auf die Wissenschaftler unserer Zeit – diese warnenden Worte. Sind diese denn wie Nebel, schnell verflogen. Es ist unbegreiflich, dass jede Minute eine LKW-Ladung „Plastik in unsere Meere geworfen werden.“ Der Plastik Planet ist dabei uns zu übernehmen. Essen wir Fisch aus dem Meer, essen wir auch bald Plastik.

Das ist die Wahrheit.

Eines Tages wird es zu spät sein.

Kommt schon, wir haben nur diese Welt.

15.000 km im Durchmesser.

Sucht selbst in eurer Seele nach den wichtigen Dingen.

Ich die Buche Konrad will euch erzählen, wie man mit der Natur leben könnte.

Begleitet mich einfach, ich verlange kein Gehorsam, nein ich möchte euch nur etwas zurückgeben, dass Ihr schon lange verloren geglaubt habt.

Ihr fragt mich, wie ich zu diesen Geschichten gekommen bin?

Junge Menschen waren es, die mir ihr Leben erzählten; Die Wanderungen durch Wälder und durch den Nebel am Morgen haben uns begleitet. Ihr junges Leben war traurig und verletzend, abgemagert standen sie vor mir, und Ihre Seele war im Schattenreich übergegangen.

Diese Kinder der Zeit fragten mich, ob ich ihnen zuhören möchte. Ich war dabei, als es begann. Ihr junges Leben mit allem Schmutz behaftet, das man sich nicht vorstellen kann. Ihre Gesichter, die bleich und still sich zeigten. Auf der Bank am Golfplatz oder am Wald, hier berichteten sie mir Ihr Leid, ihr Seelenvermächtnis in allen Einzelheiten.

Die Tränen das monotone Sprechen, diese blassen Gesichter haben mich nicht mehr losgelassen, sie fragten mich morgens, ob sie mit mir zusammenlaufen könnten, es wurden viele Geschichten, die ich hörte.

Verdammt, ich wurde ein Teil von Ihnen, nachts riss es mich aus den Schlaf, ich konnte nicht mehr ruhen. Ich schrieb dieses Buch, um mich selbst zu befreien, von diesem unfassbaren Leid der Kinder und Jugendlichen.

Ja, es beruhigte mich, mit Konrad unterwegs zu sein.

Die Erzählungen in diesem Band beruhen teilweise auf tatsächlichen Begebenheiten aus meiner Jugend und aus einer anderen späteren Zeit, teilweise kommen sie aus der Fantasie meiner Träume in der Nacht – Träume, die mich zu Konrad und zu meinem Bach führten. Eines Tages bekam ich Fieber. In den Träumen sah ich mich wieder an dem Bach, aus dem ich als Kind getrunken hatte. Ich spürte, wie meine kleinen Finger vergeblich versuchten, eine Bachforelle zu erhaschen. Ich sah in der Ferne, wie der Bach seinen Weg durch den Wald mit wandelndem Geräusch an mir vorüberzog. Ich sah die Buche Konrad auf ihrer Insel. Wenn ich mich bückte, um einen Flussstein zu wenden, erkannte ich im spiegelnden Wasser mein kindliches Wesen, wie es mit aller Macht versuchte, den Stein zu wenden. Damals sehnte ich mich buchstäblich nach einem neuen Fiebertraum, um wieder in die Welt der Fantasie zu gelangen.

In einer dieser Fiebernächte erschien mir die Buche Konrad zum ersten Mal. Ich fühlte, wie die Sonne durch Nebel versuchte, sich mir zu nähern. Ihre Strahlen berührten mich, zogen mich an die Geschichten der Buche Konrad heran. Die Wanderungen der Tage erschienen mir in den Träumen der Nacht.